Perspektivwechsel –
Die Kunst, im Vertrauten Neues zu entdecken.
Und die Kunst, aus Problemen Lösungen zu generieren.

Haben Sie heute schonmal auf dem Kopf gestanden? Oder auf einer Wiese gelegen und in den Himmel geschaut?
Nein? Machen Sie mal, denn den Blickwinkel ändern, die Perspektive sozusagen, kann wahre Wunder wirken.

Unter einem Perspektivwechsel versteht man per Definition die Fähigkeit, neben seiner eigenen Sicht auch andere Sichtweisen zuzulassen. Die Veränderung der eigenen Wahrnehmung hilft also gewissermaßen dabei, ein bestehendes Problem zu lösen. Und ganz nebenbei können Sie damit sogar lernen, Ihre Kreativität zu verbessern und künftig mutiger neuen Situationen gegenüber zu stehen.

Die Methode kommt aus der Persönlichkeitsentwicklung und dass man diese nicht nur in beruflichen Situationen oder bei zwischenmenschlichen Befindlichkeiten anwenden kann, sondern auch im Bereich der Inneneinrichtung bzw sogar des Wohnens, liegt nahezu auf dem Tisch. Denn was ist persönlicher als das eigene Wohnumfeld.

Wohnen ist existenziell!

(Wer diese Einleitung nicht lesen mag, switcht gleich runter zu den perspektivwechslerischen Möglichkeiten, wer ein bisschen über Psychologie lesen will, bleibt gerne hier. Sie haben hier die freie Wahl. ,-))

Fast jeder von uns verspürt eine tiefe Sehnsucht nach Ankommen, nach Geborgenheit. Unser Zuhause schützt und behütet uns. Es inspiriert uns, wir können entspannen, wir können uns entfalten, wir können loslassen.
Wir können so sein, wie wir sind.

Dies spiegelt sich in unseren Räumen wieder.
Wir nutzen unsere Wohnungen, um etwas über uns auszudrücken. Bewusst oder unbewusst. All die kleinen und großen Gegenstände, die Farben, die Lichtstimmungen, für die wir uns entscheiden, repräsentieren unser Leben. Wir nutzen sie, um durch sie widerzuspiegeln, wer wir sind, was uns bewegt und was wir tun.

Der Architekturpsychologe Riklef Rambow sagt sogar „Der Zusammenhang zwischen dem Einrichten und der Identität ist ganz stark. Ähnlich wie mit Kleidung. Der eigene Raum kann als Erweiterung der Identität betrachtet werden.“

Warum ich Ihnen das erzähle?

Mit dem Erkennen, was Wohnen für uns bedeutet, tritt zutage, dass wir für auftauchende Probleme den Perspektivwechsel anwenden können.
Wenn wir ihn brauchen.

Bevor wir überhaupt gedanklich erfasst haben, wie eine (Wohn)umgebung auf uns wirkt, bewerten wir sie bereits unterschwellig. Intuitiv fühlen wir uns wohl oder eben nicht. Zwar kann kaum einer konkret sagen, woran das liegt, aber es ist so. Gemeinerweise ignorieren wir diese Gefühle aber häufig. Zum Beispiel, weil wir unsere Intuition nicht selten zugunsten anderer Faktoren außer Acht lassen müssen:

Nicht jeder hat das Glück, das Traumhaus im Grünen bauen zu können oder die Altbauwohnung mit Stuck und Parkett von der Großtante vererbt bekommen zu haben. So individuell wir auch versuchen können, unser Innen zu gestalten, so sehr sind wir doch an die Vorgaben des Außen gebunden.

Es spielt leider inzwischen zunehmend keine Rolle mehr, ob eine Wohnung unsere Bedürfnisse befriedigt.

Das betrifft die Raumaufteilung, den Platz, das Drumherum und nicht zuletzt persönliche Ruhebedürfnisse. Stattdessen bestimmen günstige Mieten oder Grundstückspreise, der halb so lange Weg zur Arbeit/zur Schule/zum Kindergarten oder ist-hier-überhaupt-irgendwo-noch-was-frei unsere Wahl.

Damit können wir uns anfangs recht gut arrangieren.
Der Mensch ist im Allgemeinen sehr gut in der Lage, sich schnell anzupassen oder sich mit der Dauer einer Situation an vieles zu gewöhnen. Was ja wiederum auch gut ist.

Resignative Wohnzufriedenheit

Peter Richter, ebenfalls Architekturpsychologe, nennt das „resignative Wohnzufriedenheit“.
Die Wortschöpfung als solche mag ich sehr, inhaltlich ist das Ganze etwas ernüchternd, denn es bedeutet, dass wir unser Anspruchsniveau senken, um somit weniger unter der Situation zu leiden. Dieses Sich-gewöhnen läuft unbewusst, lässt sich aber auch gezielt einsetzen – hier reden wir von dem Mere-Exposure-Effekt. Er ändert unsere Einstellung gegenüber Dingen oder Sachverhalten, wir freunden uns an, lernen bestimmte Vorzüge zu schätzen, Negativitäten auszublenden.

Irgendwann ist aber trotzdem Schluss.

Man verspürt einen Mangel, ein Ungleichgewicht oder sogar eine ernsthafte Unzufriedenheit.
Man räumt immer wieder um, ist immer länger im Büro/bei Freunden/beim Sport, lässt mitunter sogar die Wohnung mehr und mehr verlottern. Man fühlt sich schlichtweg nicht mehr wohl zuhause.

Jetzt wird es Zeit für den Perspektivwechsel!

Hat sich die eigene Lebensform geändert, muss man etwas tiefer graben. Bis hin zu dem Gedanken, vielleicht doch lieber nach einer neuen Bleibe Ausschau zu halten. Hat sich allerdings nichts geändert außer der eigenen Wahrnehmung, dann kommen hier ein paar Anstupser, wie Sie einen liebevollen Blick auf Ihr Zuhause (wieder zurück) gewinnen:

  • Fragen Sie Ihre Freunde
  • Nutzen Sie die Kopfstandtechnik
  • Versetzen Sie sich in eine andere Person hinein
  • Richten Sie Ihr Augenmerk gezielt auf Dinge, die Ihnen nicht gefallen
  • Gehen Sie als der Mensch durch Ihre Wohnung, der Sie zum ersten Mal besucht
  • Gehen Sie ebenso mit offenen Augen durch die Welt. Oder einen anderen Weg zur Arbeit
  • Und zu guter Letzt: Stellen Sie sich mal bitte auf Ihren Balkon. Oder in den Garten

1)
Für alle Hin- und Herüberlegungen:
Fragen Sie Ihre Freunde!

Vielleicht sind Sie ja inzwischen schon betriebsblind geworden, nachdem Sie schon lange an einer Stelle rumgetüftelt haben? Wie haben andere das mit dem Esstisch gelöst? Kann das weg oder muss das noch? Fragen Sie Ihre Freunde! Manchmal steht man einfach auf dem Schlauch und da kann ein Blick von anderen wahre Wunder wirken.

2)
Sie wissen bei ganz konkreten Problemen nicht weiter?
Bedienen Sie sich der Kopfstandtechnik!

Hier müssen Sie nicht wirklich einen Kopfstand vollführen, vielmehr drehen Sie Ihre Fragestellung um.

Als Beispiel:
Ebenjener Esstisch ist zu klein, sie brauchen einen größeren, wo aber soll der hin? Versuchen Sie, nicht den optimalen Standort zu finden, sondern überlegen Sie die größtmögliche Katatstrophe. Wo sähe der wirklich so richtig blöd aus, stünde im Weg und wäre unpraktisch. Allein indem Sie diese (falsche) Lösung auf den Kopf stellen, sind Sie freier von etablierten Denkmustern, Ihre Kreativität ist geweckt und schon… könnte das was werden.

3)
Sie grübeln, warum Sie das so haben und nicht (wie andere) so?
Stellen Sie sich vor, Sie sind eine laute Person. Oder eine leise!

Versetzen Sie sich in diese andere Person hinein und überlegen Sie genau, was das Gegenteil von Ihnen gut finden würde. Und wenn Sie das selbst nicht haben – das gesellige offene-Küche-Konzept vs der abgeschlossenen Räume zum Beispiel – hadern Sie nicht (mehr) damit. Das sind dann nämlich nicht Sie.

4)
Sie wissen nicht so genau, was Sie gut finden (sollen)?
Richten Sie Ihr Augenmerk gezielt auf Dinge, die Ihnen nicht gefallen!

Nicht bei Ihnen selbst natürlich; in Zeitschriften, in anderen Wohnungen…
Denn alle positive Inspiration als solche stehen lassend – indem man sich bewusst darüber wird, was man nicht mag, wird einem ganz sanft auch klar, was man sehr wohl mag. Probieren Sie das mal aus.

5)
Kann das weg oder muss das noch?
Gehen Sie als der Mensch durch Ihre Wohnung, der Sie zum ersten Mal besucht!

Sie können sich nur schwer von Dingen lösen, sind aber gleichzeitig genervt davon, was bei Ihnen so alles rumsteht? Besuchen Sie, zB als Ihr Arbeitskollege, zum ersten Mal Ihre Wohnung und denken Sie sich Ihren Teil über die drei Kaffee-Services, die da stehen. Merken Sie schon, oder?!

Wenn Ihnen das Aussortieren schwerfällt – ab damit in den Keller. Aus den Augen ist ist auch ein anderer Blickwinkel. (Und alles, was Sie nach einem Jahr nicht vermissen, kann weg. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel, es gibt diese All-time-favourites.)

6)
Es fehlt Ihnen an Kreativität?
Gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt!

Das wird Ihnen so viel bringen, wenn Sie (vermeintlich) an Ideenarmut, an Farbfragen, an Stilzusammenstellungen scheitern. Lassen Sie sich von der Natur inspirieren oder auch von der Stadt. Von Schaufenstern, von Kunstwerken, von Street Art, sogar von Plakatwerbung. Von allem. Offene Augen, Welt!

7)
Hier stimmt etwas nicht, das Sie nicht greifen können?
Stellen Sie sich mal bitte auf Ihren Balkon!

Passt der Blick von außen super? Der von innen aber nicht? Da haben wir´s. Vielleicht beißt sich hier irgendwas. Die gelbe Tapete mit den grünen Bäumen? Oder die rostroten Dachziegel mit Ihrer blauen Wand? Gut zu wissen. Denn nun können Sie das Gefühl greifen und es wird Sie hoffentlich nicht länger belästigen. Auch ganz ohne den Baum zu fällen oder die Tapete abzureißen.

Ich weiß schon, sofern man nicht im Garten um sein Haus spazieren kann oder eine Drohne mit Kamera sein Eigen nennt ist das nicht ganz so gut durchführbar, aber: das lässt sich auch ganz prima imaginieren.

Und damit
Perspektivwechsel over

Das war es von meiner Seite aus, jetzt sind Sie dran.
Entdecken Sie die Möglichkeiten.
,-)

Und wenn das alles nichts hilft?
Dann denken Sie gerne darüber nach, jemanden zu engagieren, der sich mit Einrichtung auskennt:
mich zum Beispiel. Im Beitragsbild übrigens liege ich auf einer Wiese.

War super.
Nur ein bisschen nass.
Aber es hat ja auch niemand behauptet, dass Perspektivwechsel bequem sind!


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