Materialien können vieles.
Sich kuschelig oder hart anfühlen, abweisend wirken oder einladend, natürlich sein oder künstlich. Sie können Wäme vermitteln oder uns frösteln lassen. Sie können Bereiche optisch trennen oder aber auch – verbinden.
Um letzteres geht es in dieser Geschichte.

Die (Liebes)geschichte eines Sofas.
Zuerst allein und dann mit Sessel.

Es war einmal ein Sofa.
Ein durchgesessenes, fleckiges und scheckiges, ein turbulente Zeiten durchlebt habendes, kurz – ein altes Sofa. Zu alt, um weiterhin in Benutzung zu bleiben, es musste also ein neues Sofa her. Beschriebenes Sofa gab es in neu nicht mehr, aber neue Sofas gab es ja dennoch sehr viele, es war also nicht schwer, eines zu finden. Gesagt, gekauft. Und aufgestellt. Doch bereits nach kurzer Zeit zeigte sich – das neue Sofa kam gegen das alte nicht an. Nicht in seiner Form, nicht in seiner Bequemheit und auch nicht in seiner Haptik. Weitere Sofa-Erkundungen folgten, doch es war zu spät: das alte Sofa hatte sich unauslöschlich als das Sofa festgebrannt.

Perfekterweise stand das alte Sofa noch im Keller. Hochkant und nach ein paar Wochen zusätzlich traurig aussehend, doch das war egal, ich war glücklich.

Ich brachte das Sofa zum Polsterer.
Der Bezug des Sofas war reines Nubuk-Leder, davon riet man ab (zu empfindlich, zu preisintensiv, diverse andere Zu´s) und schlug stattdessen einen Stoff vor, der dem ledrigen sehr ähnlich war. Sehr angenehm, den nahm ich. Dazu das gleiche satte Zigarrenbraun wie vorher. Und eine Aufpolsterung. Jetzt war das Sofa auch glücklich, es fühlte sich wie früher, das war schön.

Einige Jahre stand es also so harmonisch vor sich hin und freute sich an unserem Wiederfinden. Dann musste aus Gründen die Gästematratze weg. Es sollten (und wollten) ja aber auch weiterhin Gäste kommen und so begann erneut eine Zeit der Fragezeichen. Die Gäste sollten nicht auf Luftmatratzen schlafen, aber… wo sonst? Die einzige Möglichkeit schien ein Schlafsofa zu sein und es gab auch ganz wunderbare Modelle, aber ein Schlafsofa kam natürlich nur in Frage, wenn man es zusätzlich aufstellte. Dafür war allerdings kein Platz und so stand das alte bzw nun ja wieder neue Sofa traurig an seiner Sofastelle bis die Erleuchtung in Form eines Schlafsessels kam.

Hier wiederum gab es nicht wirklich viel Auswahl. Und auch nicht wirklich viel Schönes. Aber Phantasie ist die Mutter der Inneneinrichtung und so ließ ich mich nicht abschrecken, als ich das folgende Exemplar entdeckte. Waren die Lehnen nicht genauso geschwungen wie bei Sofa? Und war nicht die Höhe die gleiche wie die Höhe Sofas? Ja! Und dennoch waren genügend Unterschiede auszumachen, um nicht Gefahr zu laufen, „da hätte man sich ja auch gleich eine Sitzgarnitur!“.

Ich fuhr also mit einem großen Auto nach x-Stadt, holte das Trumm ab und – brachte es zum Polsterer. Der gleiche sofaledrige Stoff, die gleiche sofazigarrige Farbe und dennoch ein neues Möbel.

Und nun stehen im Wohnzimmer ein Sofa und ein Sessel. In vielerlei Hinsicht gleich, in genau der richtigen Dosierung verschieden. Geeint durch dasselbe Material.
Herz,
Ende.


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