Wie war die Ausgangssituation? ||| Was war das Problem?

Das klassische Mietwohnungs-Badezimmer mit dem in den 00er-Jahren typischen Sanierungshang zur Sparsamkeit. Immerhin waren die Armaturen schön. ,-)

Ein Grundriss (hier: schlauchig) ist in einer Mietwohnung leider nur bedingt änderbar, aber zusätzlich war ein Sichtschutz vorm Fenster ebenso wenig vorhanden wie eine Duschwand, es gab Deckenspots statt einer Deckenleuchte; das größte Problem aber stellten tatsächlich die Fliesen dar. Sie wirkten nicht nur klinisch, sondern auch höchst inhomogen. Die Wände hochglanz vs der Boden matt und komisches Muster 1 vs komisches Muster 2. Sowohl weiß ist toll, als auch ist Mustermix eine Klasse für sich, aber nicht so! Schnell kamen wir also überein, dass hier neben der Einrichtungsfrage auch ansonsten Hand angelegt werden musste. Kompromisslos. Denn wenn nur der Boden anders gestaltet werden würde, würden die Fliesen an der Wand dennoch blenden. Und umgedreht.

(Ich greife vor):

Was sollte verändert werden? ||| Welche Kriterien sollte der Raum erfüllen?

Alles.
Schließlich hat jeder Raum das Recht auf schön! Vielleicht hält man sich nicht ganz so häufig in einem Badezimmer auf, dennoch möchte man sich auch dort wohl und behaglich fühlen.
Wir wollten also:

  • eine wohnliche Atmosphäre schaffen
  • Praktikabilität mit Stil vereinbaren
  • kostengünstig bleiben

Das Konzept:

  • Aufbrechen des schlauchförmigen Grundrisses (z.B. durch Verzicht auf Schränke)
  • Fliesen kleben statt Fliesen neu verlegen (und vorher rausreißen :-O)
  • Eine Duschfaltwand als (diffuse) Raumtrennung zur Toilette,
  • und natürlich für das entspannende Duscherlebnis
  • Dafür auch: Installation einer Überkopfbrause
  • Milderung der grellen Lichts der Deckenspots
  • Die Farben: anthrazit, dunkel, schwarz-weiß in Mustern; reines weiß sollte nur die Decke haben
  • (gegen feste Vorgaben wie Badewanne und Co war nichts zu machen aber auch nichts zu sagen)
  • Weiteres Konzept: Mustermix, Materialmix
  • Die Raufasertapete oberhalb des Fliesenspiegels weicht einer aussagekräftigen Tapete
  • Sonstige Einrichtung aus Holz und Korb und Filz als zusätzliche Farb- und Wärmetupfer
  • Rettung liebgewonnener Einzeilstücke aus dem alten Bad und Aufarbeitung im Look des neuen Stils

Die Umsetzung:

  • Tapete ab, Tapete dran
  • Fliesen geschrubbt, Fliesen geklebt
  • Duschfaltwand-, Überkopfbrause-, Jalousie montiert
  • Waschmaschine platziert, Regale angebohrt, alles eingeräumt, fertig
  • Alles eingeräumt, fertig? Mitnichten – besondere Highlights werden natürlich separat aufgeführt!

Besondere Highlights bzw auch… Problemlösungen!

Die Lichtsituation war auch nach Einbau eines Dimmers nicht zufriedenstellend – die Spots waren einfach zu hoch angebracht, um den Raum optimal und auch angenehm zu beleuchten. Deckenleuchen indes hätten ebenfalls nicht gewirkt, da dafür das Bad zu schmal war. Wunderschönes Licht verbreitete die Linienlampe, die wir für oberhalb des Waschbeckens ausgesucht hatten, allerdings war diese auch nur von dort aus bedienbar. Weitere Leitungen sollten nicht unter Putz gelegt werden, über Putz allerdings auch nicht. Nicht in diesem Bad! Die Lösung sollte eine Stehlampe sein, die – mit einem Bewegungsmelder versehen – gleich beim Betreten des Raumes genau die richtige Lichtszenerie schafften würde.

Den Lampenschirm gab es bereits, seit einigen Jahren sogar, und aufgehoben mit dem Plan, daraus eine Stehlampe zu bauen. Jetzt passte er in seiner Milchglasigkeit perfekt zu der Linienlampe und dem Weißanteil in Tapete und Bodenfliesen. Als ich allerdings nach dem passenden Unterbau stöberte, stolperte ich über eine noch viel viel perfektere Leuchte. Extravagant in Bestückung und Gestalt und – aus Korb. Vermutlich würde sie jedes Wohnzimmer mit der Art herkömmlicher Möblierung a la „Wohnwand modern“ sofort in die Hölle des Gelsenkirchener Barock schicken, hier allerdings passte sie. Und damit – Licht aus.

Ein Möbelstück aus dem alten Bad war ein runder Hocker mit Deckel (Stauraum!) und da wir hier bewusst auf Schränke verzichtet haben, sollte dieser natürlich unbedingt mit umziehen. Der Hocker war grün, das neue Bad nicht. Und es brauchte auch kein grün. Was wir aber ja wollten, war, liebgewonnene Gegenstände mit „herüber“ zu retten und so wurde dieser Hocker kurzerhand mit derselben Folie verkleidet, mit der die Wände gefliest waren. Deckel zu.

Dasselbe Schicksal wie der für die Stehleuchte angedachte Lampenschirm fristete, in einer dunklen Ecke an der Wand lehnend, ein Spiegel. An einigen Stellen war das Spiegelglas abgeplatzt, an anderen Stellen war es blind. Und doch war der Spiegel so schön mit seiner ovalen Form und der Aufhängung aus breiter goldener Kordel… Zumal diese ovale Form ganz wunderbar als anmutiger Bruch zwischen all der Geometrie funktioniert. So hat also auch dieses Stück seinen Platz gefunden.

Technik in einem Raum, der Sinnlichkeit ausstrahlen soll, ist immer so eine Sache. Und Waschmaschinen im Bad sind noch eine ganz andere. Als ich Kind war, lag bei uns zuhause immer ein zusammengefaltetes Frotteehandtuch auf der Abdeckung. Geringfügig besser als der eigentliche Plastekram, aber da ging noch was. Und somit wurde der Gewinnervorschlag umgehend als Skizze zu einem Betonbauer gebracht und den Abschluss ziert nun eine vier Zentimeter dicke Betonplatte, hellgrau geädert, mit abgerundeten Kanten.

Das war lustig.

Für alle Beteiligten, sei sicherheitshalber dazugesagt.

Und die Bilder dazu hätten direkt einen eigenen Blogbeitrag verdient, denn es ist schon kurios, wieso sich im Badezimmer einer Frau, die kein Make-Up benutzt, über die Jahre sechs Dosen Puder fanden; konsequenterweise sogar alle von der gleichen Kosmetikmarke. Oder die immer gleichen Dinge zur Gestaltung verschiedenartigster Frisuren. Oder Sonnencreme. Und: Cremes gegen Sonnenbrand!

Eine Postkarte. Schwarz mit weißen Buchstaben. Die lehnte bei unserem Vorgespräch im Bücherregal und die: musste natürlich ins Bad. Gerahmt in helles Birkenholz auf einem Grund aus Resten der Tapete. Somit hat neben der Fliesenfolie eine zweite Wandverkleidung den Weg zum wiederholenden Element absolviert, so kann es bleiben.